Vernissage »Ctrl-X. A topography of e-waste« von Kai Löffelbein in der GAF

Zeitpunkt: Mittwoch, 15. Mai 2019 ab 19:00

Ort: Galerie für Fotografie
Seilerstraße 15D, 30171 Hanover, Germany

Der verantwortungslose Umgang mit begrenzten Ressourcen ist eines der dringlichsten Probleme der globalisierten und digitalisierten Welt. Elektronische Geräte sind zu unseren alltäglichen Begleitern geworden, ein Leben ohne sie ist heute unvorstellbar. Während wir uns über den Konsum und die neueste technische Ausstattung definieren, machen wir uns über Verbleib und Entsorgung unserer ausrangierten Computer, Handys, MP3-Player und Tablets nur wenige Gedanken.

In »Ctrl-X. A topography of e-waste« zeichnet Kai Löffelbein die undurchsichtigen Wege westlichen Elektroschrotts nach und fotografiert zahlreiche geradezu postapokalyptische Szenarien. Auf der Mülldeponie von Agbogbloshie in Ghana, in der Müllhauptstadt Guiyu in China und in den Hinterhofhalden von Neu-Delhi in Indien. Der Müll gelangt per Schiff und falscher Deklaration illegal dorthin, um die teuren Recyclingprozesse im Westen zu umgehen. Auch Hinweise auf den ehemaligen Heimatort Deutschland fand der Fotograf dort. Aufkleber auf den Geräten verrieten die Herkunft.

„Angefangen hat das alles damit, dass ich mich selbst gefragt habe, was mit meinem eigenen Elektroschrott eigentlich passiert. Ich habe natürlich berufsbedingt als Fotograf viel mit Elektronik zu tun“, sagt Löffelbein in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur.

Eindringlich legen Kai Löffelbeins Fotografien die hochgefährlichen und gesundheitsgefährdenden Methoden offen, mittels derer die Arbeiter – teilweise noch Kinder – Elektrogeräte zerlegen, um wiederverwertbare Rohstoffe wie Kupfer herauszulösen. Ihnen sind die schädlichen Folgen der dabei freigesetzten Giftstoffe wie Arsen, Blei oder Kadmium größtenteils nicht klar. Aber wenn sie morgens mit einem verquollenen Hals und zugeschwollenen Augen aufwachen, dann ahnen sie, dass ihre Arbeit nicht gesund ist.

Mit seinem Blick auf die zerstörerische Seite der Digitalisierung will Löffelbein Aufklärung leisten. Und er will dazu beitragen, dass sich diese Verhältnisse ändern. Kai Löffelbein, 37, lebt und arbeitet als Dokumentarfotograf in Hannover. Studiert hat er Politikwissenschaften in Berlin und Fotojournalismus und Dokummentarfotografie an der Hochschule Hannover. Sein Interesse gilt vor allem den Auswirkungen politischer und ökonomischer Strukturen unserer Gesellschaft. Viele seiner Arbeiten sind persönliche Projekte, die er ohne Auftrag realisiert.

Kai Löffelbein hat dafür in zahlreichen Ländern, Asiens und Afrikas fotografiert. Seine Arbeiten wurden in vielen Ausstellungen gezeigt und vielfach international ausgezeichnet, u.a. vom Magnum Emergency Fund, UNICEF Photo of the Year, Days Japan, Henri Nannen Award, PDN Photo. Die GAF zeigt die bislang größte Ausstellung von Kai Löffelbein in Deutschland.

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